|
»Kampagnenfähigkeit der Partei stärken«
Die DS im Gespräch mit
NPD-Bundesorganisationsleiter Jens Pühse
DS: Im Vorfeld des G8-Treffens in Heiligendamm hat der
NPD-Parteivorstand neben der zentralen Demonstration am 2. Juni in
Schwerin drei Aktionstage angesetzt, um den Widerstand der nationalen
Partei gegen das Spitzentreffen der Strippenzieher des internationalen
Kapitalismus in Heiligendamm herauszustellen. Welche Intention lag
dieser aufwendigen Aktion zugrunde?
Jens Pühse: Zunächst einmal muß festgestellt werden, daß sich der
Parteivorstand schon frühzeitig auf die Unterstützung der Gesamtkampagne
des nationalen Widerstandes »Gib 8 – Sozial statt Global« festgelegt
hat, die in Verbindung mit vielen parteiunabhängigen Strukturen des
nationalen Widerstandes durchgeführt worden ist. Dabei muß auch klar
sein: Eine politische Initiative wie die Anti-Globalisierungs-Kampagne,
die wir Nationalisten in den zurückliegenden Wochen durchgeführt haben,
läßt sich nicht von oben her zum Erfolg führen. Letztlich kommt es immer
auf die Schlagkraft der Aktivisten an der Parteibasis und der sonstigen
Unterstützergruppen an. Allerdings hatte der Parteivorstand natürlich
doch eine gewisse Erwartungshaltung an die »G8-Aktionstage«, die in drei
Hauptzielen angelegt war. Erstens ging es uns darum, die einzelnen
Parteigliederungen im Rahmen der überparteilich angelegten Kampagne auf
den politischen Schwerpunkt der NPD, nämlich die antikapitalistische
Sozial- und Wirtschaftspolitik, hin zu orientieren; quasi eine noch
stärkere Sensibilisierung der Parteibasis für die politischen Inhalte.
Zweitens sollte im Vorfeld der Konferenz von Heiligendamm die
öffentliche Wahrnehmung der Nationalisten als Globalisierungsgegner
verstärkt werden; also Medienpräsenz nach dem Motto: die NPD ist im
Anti-Globalisierungs-Kampf mit im Boot! Und drittens ging es natürlich
auch um eine innerparteiliche Bestandsaufnahme bezüglich des aktuellen
Standes der Kampagnenfähigkeit der in den letzten Jahren an
organisatorischer Stärke gewonnenen NPD. Unser Ziel ist es, gerade
angesichts der in den kommenden Jahren anstehenden Wahlkämpfe unsere
zielgerichteten, themenbezogenen Aktivitäten kontinuierlich zu
verbessern. So kann man die G8-Kampagne durchaus auch als ein erster
Testlauf für die weiteren Anstrengungen zur Verbesserung der politischen
Außenarbeit der Partei ansehen.
DS: In einer solch massiven Weise, inklusive des Einsatzes einer so
breit gefächerten Palette an Infomaterial, hatte die Partei wohl das
letzte Mal während des Verbotsverfahrens mit ihrer Kampagne »Argumente
statt Verbote!« agiert. Warum also hat die Partei erst jetzt das
politische Instrument der Kampagne wiederentdeckt?
Jens Pühse: Politische Kampagnen haben erst dann wirklich einen Sinn,
wenn neben dem Thema selbst die Verbindung von Konzeption, Durchführung
und Massenwirksamkeit gewährleistet ist und dadurch eine möglichst hohe
propagandistische Ausstrahlung nach innen wie nach außen zur Entfaltung
kommt. Bei einer Partei mit einem nur kleinen Apparat, wie es ja bei der
NPD der Fall ist, sind die Möglichkeiten zwangsläufig eingeschränkt.
Allerdings haben wir die Notwendigkeit erkannt, die Aktionsform der
Kampagne stärker in den Vordergrund zu rücken. Ohne schon zu viel
verraten zu wollen: Schon im Herbst wird es eine weitere zielgerichtete
Initiative zur Anhänger- und Mitgliederwerbung geben, die sich
zielgruppenspezifisch an Jugendliche wenden wird.
DS: Wie bewerten Sie als Bundesorganisationsleiter nun in der
Nachbetrachtung die organisatorische Umsetzung der zurückliegenden
Aktionstage?
Jens Pühse: Zum einen muß deutlich festgestellt werden, daß sich die
Gesamtpartei noch nicht auf einem einheitlichen Mobilisierungs- und
Aktivitätsniveau befindet. Natürlich gab es Gebiete, deren Aktivitäten
vom ersten Aktionstag an vorbildlich waren. Dort wurden – wie von der
Parteiführung als effektivste Art der Parteiwerbung empfohlen – von
Anfang an Informationsstände durchgeführt. In anderen Verbänden dagegen
haben wir mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen gehabt, was meist auf den
in manchen Landesverbänden noch nicht optimal funktionierenden
Informationsfluß zwischen den organisatorischen Ebenen zurückzuführen
war. Trotzdem haben sich die Aktivitäten von Termin zu Termin
bundesweit, d.h. in allen Landesverbänden, stark gesteigert. So wurden
am 19. Mai bundesweit 138 Einzelaktionen von NPD-Verbänden durchgeführt.
Das waren über doppelt so viele wie am ersten Aktionstag am 14. April.
Dadurch war nunmehr der Boden bereitet für den folgenden und letzten
Aktionstag am 9. Juni, der dann erfreulicherweise nochmals eine
Steigerung der Aktivitäten brachte.
DS: Was muß Ihrer Meinung nach verbessert werden, um eine tatsächlich
effektive, themenbezogene, aber auch kurzfristig umsetzbare
Kampagnenfähigkeit der NPD zu erreichen?
Jens Pühse: Zum einen müssen wir an der Mobilisierung feilen, was nur
über eine straffe Führung und Anleitung der Verbände funktionieren kann.
Termine, Informationen und Werbematerial müssen auf direkterem Wege an
die NPD/JN-Aktivisten in den Kreisverbänden gelangen; hier werden wir in
Zukunft veraltete Informationswege kappen und dafür zusehends auf die
neuen Medien setzen. Hieran wird derzeit gearbeitet, weswegen ich guter
Hoffnung bin, daß sich beim nächsten Mal gerade die diesmal noch
vorhandenen Anlaufschwierigkeiten reduzieren werden. Es gab darüber
hinaus in vielen Verbänden auch Probleme mit der Genehmigung der
Infostände. Der staatliche Repressionsapparat setzt immer öfter auf die
offenkundig rechtswidrige Behinderung der NPD, was wir nicht auf die
leichte Schulter nehmen dürfen. Dabei ist der Rechtsgrundsatz eindeutig:
Infostände sind anmelde-, aber nicht genehmigungspflichtig! Willkürliche
Ablehnungen unserer Info-Stände sind Rechtsbrüche, die kein NPD-Verband
stillschweigend akzeptieren darf; eine juristische Durchfechtung muß
immer in Angriff genommen werden. Hierzu wurden bereits Gespräche mit
dem Leiter der Rechtsabteilung beim Parteivorstand, Frank Schwerdt,
geführt, damit die Verbände im Rahmen zukünftiger Kampagnen rechtlich
besser betreut werden können. Zudem fehlt es unserem Auftreten in der
Öffentlichkeit natürlich in vielen Fällen immer noch an dem notwendigen
Quentchen Professionalität. Vor allem an der Außendarstellung der Partei
mittels unserer Infostände muß gearbeitet werden, das beginnt bei der
Modernisierung der Optik unserer Infostände und zieht sich hin bis zur
Aktivistenschulung für die konkrete Bürgergesprächssituation. Hierzu
wird der Parteivorstand den Kreisverbänden, deren
Selbstschulungsinitiativen natürlich ebenso gefragt sind, jedoch schon
bald orientierende Vorschläge in Form einer Broschüre unterbreiten, um
einen weiteren Schritt voranzukommen. Oberstes Ziel muß natürlich immer
die Einheitlichkeit unserer öffentlichen Präsentation sein, was wir –
nachdem es uns hinsichtlich unseres Werbematerials schon recht
ordentlich gelungen ist – nun auch in den Außenaktionen herstellen
müssen.
DS: Vielen Dank für das Gespräch!
www.deutsche-stimme.de
zurück

|