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Keine Vorkontrollen bei Gewalttätern
"Schuhe bitte ausziehen", "Fahnenstöcke dorthin zum Nachmessen
bringen", "Ausweise hier abgeben", "Mal den Rucksack auspacken" –
welcher nationale Demonstrant kennt zumindest eine dieser
Kontrollmaßnahmen nicht aus eigenem Erleben. Auch der Hinweis von
Einsatzleitern, wonach Aufrufe, die polizeilichen Weisungen
zuwiderlaufen oder die staatliche Autorität in Frage stellen, zum
Abbruch der Veranstaltung führen, ist uns hinlänglich
vertraut.
Da so etwas bei angemeldeten Aufzügen des nationalen Widerstandes
ohnehin nicht vorkommt, wäre es eigentlich müßig, sich
weiter mit der Thematik zu beschäftigen. Eigentlich. Hätte
sich da nicht in den vergangenen Tagen einmal mehr eine deutliche
Schieflage ergeben.
Schon früh verhärtete sich die Tatsache, daß die
Polizeieinsatzleitung bei den Teilnehmern der Rostocker Großdemo
keine Kontrollen der obengenannten Art vorgenommen hatte. Weitgehend
ungestört konnten rund 2.000 anarchistischen Randalierer - mit
Brecheisen und Schraubenziehern hantierend – Steinplatten aus den
Fußwegen lösen. Motto: "Hast du eine, gehörn dir alle".
Teilweise karrten die Gewalttäter die Wurfgeschosse sogar in
Einkaufswagen heran.
"Die Bullen sollen abhauen!"
Dem TV-Sender Phoenix, der am Sonnabend ab 14.45 Uhr direkt aus dem
Rostocker Stadthafen übertrug, gelangen einige bezeichnende
Aufnahmen, was auf die Ausschreitungen ebenso wie auf mutmaßliche
Wortführer zutrifft.
Zwischen 15.30 und 16.00 Uhr bestieg eine männliche Person die
Bühne. Der Mann machte zwar vom Äußeren her nicht den
Eindruck wie ein Angehöriger des Schwarzen Blocks, brach aber
für ihn ganz offensichtlich eine Lanze. Die Polizei trete durch
dauernde Provokationen hervor, schrie er ins Mikrofon. Und
wörtlich: "Mein Aufruf an die Bullen – zieht euch endlich
zurück!" Zu diesem Zeitpunkt herrschte im Bereich des Stadthafens
relative Ruhe, nachdem gegen 14.00 Uhr aus dem Schwarzen Block Steine,
Flaschen und Farbbeutel gegen das Gebäude der Ostseesparkasse am
Vögenteichplatz geflogen waren. Ein Polizeieinsatzfahrzeug, das
Ecke Wokrenter Straße (Nördliche Altstadt) stand, wurde
überdies auf der Fahrerseite komplett entglast.
Kurze Zeit nach dem provokativen Auftritt des besagten Herrn stieg vor
den ersten Häusern der Nördlichen Altstadt eine
Rauchsäule auf, die von einem brennenden Auto herrührte.
Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr waren zwar schnell zur Stelle, wurden
aber von den vermummten Chaoten massiv am Löschen behindert. Es
folgte ein Wasserwerfereinsatz, um den Löschtrupp bei seiner
Arbeit zu unterstützen.
Die Aktionen der außerhalb ihrer Fahrzeuge agierenden
Polizeikräfte machten einen hilflosen, vielmehr unkoordinierten
Eindruck: Die Beamten bemühten sich zwar, die Kriminellen
zurückzudrängen. Doch wurden sie mehr und mehr zersprengt
– die jetzt kleinen polizeilichen Gruppen hatten mehr mit dem
Schutz der eigenen Gesundheit als mit ihrer eigentlichen Bestimmung zu
tun. Letztendlich müssen sie sich vorgekommenen sein wie in einer
Sackgasse, die im vorliegenden Fall aus Menschen bestand: Auf der am
Warnowufer liegenden Seite die meist friedlichen
Demonstrations-Teilnehmer, an der Hauptstraße und im Bereich der
ersten Wohnblocks neben und vor sich die Vermummten.
Ein in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt, Rostocks Szeneviertel,
wohnender Mann behielt leider recht. Wenige Tage vor der Großdemo
erklärte er: "Wenn ich die Polizisten, die hier umherfahren, um
sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen, so sehe, wie die lachen,
dann wird mir himmelangst. Die wissen vermutlich noch gar nicht, was
auf sie zukommt. Hier werden sich am 2. Juni auch ausländische
Gewalttäter austoben. Die trainieren den Straßenkampf doch
förmlich."
Sei es wie es sei: Die Frauen und Männer der im direkten Einsatz
am Stadthafen befindlichen Kräfte wurden förmlich verheizt.
Konrad Freiberg, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft (GdP), warf den
Verantwortlichen mangelnde Koordinierung vor und monierte die fehlende
Sorgfalt im Vorfeld der Demonstration. Freiberg, gelinde gesagt nicht
unbedingt ein Freund der nationalen Bewegung, mahnte für die
Zukunft entsprechende "Vorkontrollen"an, wie sie zu Beginn dieses
Beitrags Erwähnung gefunden haben. Diese müßten dort
stattfinden, "wo sich die Chaoten treffen", erklärte Freiberg in
einem Pressegespräch. Bleibt abzuwarten, inwieweit Freiberg die
hier vorgezeichnete Linie in der künftigen Arbeit beibehält.
Besuchen Sie eine NPD-Demo!
Dem "Kampf gegen Rechtsextremismus" widmet sich die Gewerkschaft der
Polizei (GdP) ja bereits seit längerem, wobei hier die
üblichen, zumeist der Systempresse entnommenen Plattitüden
zur Anwendung kommen. Einen brauchbaren Ansatz, der sich schon aus der
GdP-Aufgabe als Interessenvertreterin der Polizeibeamten ergibt,
enthält das Positionspapier "Bekämpfung des Rechtsextremismus
– Aufgabe aller Demokraten" jedoch:
"Wenn dann auch noch Politiker bemängeln, die Polizei ginge nicht
eindeutig und entschlossen genug gegen rechtsradikale Umtriebe in
Deutschland vor, so ist dies empörend. Wir können ihnen nur
empfehlen, sich bei einem Demonstrationseinsatz im Zusammenhang mit der
NPD an einem Wochenende zu den Kolleginnen und Kollegen zu gesellen und
diese einmal bei ihren Einsätzen zu begleiten. Danach werden sie
wahrscheinlich selbst wissen, was von solchen unbedachten Aussagen zu
halten ist."
Genau! Die scharfen Kontrollen für nationalgesinnte
Demonstrationsteilnehmer werden dann ebenso zu registrieren sein wie
die ausschließlich von Linksautonomen und ihren Mitläufern
ausgehende Gewalt – Kontrollmaßnahmen fallen bei ihnen
flach. Warum und wie lange noch?
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