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Christian Worch: Spontandemonstration am 2. Juni in Lüneburg
„In der Kürze der Zeit konnte das Bundesverfassungsgericht
nicht darüber entscheiden, die NPD am 2. Juni in Schwerin oder
alternativ im deutlich kleineren Ludwigslust demonstrieren zu
lassen.“
Keine Probleme mit Behörden und Gerichten hatten hingegen jene
zweitausend, dreitausend oder viertausend militante Linke, die in
Rostock gegen den G-8-Gipfel demonstriert haben und dabei so
ungefähr vier Hundertschaften eingesetzter Polizisten
krankenhausreif geschlagen haben. Zweitausend, dreitausend oder
viertausend potentielle neue Außenminister der Bundesrepublik
Deutschland, falls das Auslaufmodell rot-grün noch mal an die
Regierung kommen sollte, oder vielleicht in der Kombination
rot-blutrot-grün.... Blutrot dann für die mehrfach gewendete
SED, später PDS, dann Linkspartei.PDS und eines Tages aus
kosmetischen Gründen vielleicht nur noch Linkspartei.
Aber die NPD durfte nicht demonstrieren. Alle sind gleich, nur einige sind gleicher als andere. Oder eben ungleicher....
Wir erhielten die Nachricht vom Beschluß des
Bundesverfassungsgerichts, als wir gerade kurz vor Lüneburg waren.
Da wir mit einem Reisebus unterwegs waren, war ohnehin wieder mal eine
Pause fällig; man muß sich ja hin und wieder mal die Beine
vertreten, wenn man sich in ein trotz seiner Größe innen so
enges Fahrzeug quetscht. Bei der Gelegenheit wollten wir dann auch mal
beratschlagen, was wir denn mit dem Rest des so unerfreulich begonnenen
Tages anfangen.
Dazu kam es nicht mehr. Denn außer unserem waren noch einige
andere Reisebusse auf der Strecke unterwegs. Und dem Herdentrieb
folgend, halten bekanntlich alle, wenn einer anhält. Während
die Raucher noch dabei waren, sich erst einmal gemütlich eine
Zigarette anzuzünden, um ihrer Sucht zu frönen, entrollten
andere bereits Fahnen und Transparente, und haste-nicht-gesehen begann
plötzlich eine Demonstration durch die Lüneburger Altstadt.
Da läuft man dann halt mit, keine Frage, das ist schließlich
ein Event, wir leben schließlich in einer Spaßkultur.
Die ersten Vertreter der Ordnungsmacht, die wir zu sehen bekamen,
wollten auch ihren Spaß haben. Die zweiköpfige Streife
ließ ihren Streifenwagen einfach am Straßenrand stehen
(sogar auf einer Fahrspur, fürchte ich) und lief einfach mit. Nur
ob sie auch Parolen gerufen haben, kann ich nicht genau sagen.
Nach einigen hundert Metern durch eine sich morgens um kurz nach zehn
langsam belebende Innenstadt kamen wir auf einen Marktplatz. Dies
schien ein geeigneter Platz, um eine Kundgebung abzuhalten.
Zwischenzeitlich hatte die Staatsmacht sich verdoppelt, und
während die ersten beiden Streifenbeamten offenbar zur
Spaßkultur gehörten, suche von den Neuankömmlingen
einer eine andere Form von Spaß. Er versuchte nämlich, einem
Teilnehmer das Megaphon zu entreißen. Irgendwie hat das in
Lüneburg Tradition. Ich erinnere mich an eine Demonstration vor
neun Jahren, bei der der Oberbürgermeister Maegde persönlich
einem Teilnehmer einer angemeldeten Demonstration das Megaphon
entreißen wollte, weil ihm dessen Parolen mißfielen. Es
blieb damals bei einem Versuch. Es blieb auch diesmal bei einem
Versuch, denn ein paar Dutzend aufgebrachte Teilnehmer machten dem
Uniformträger klar, daß wir rechtswidrige Aktivitäten
auch von Polizisten nicht dulden. Oder gerade nicht von Polizisten; die
haben schließlich Recht und Ordnung zu schützen und nicht
dagegen zu verstoßen.
Außerdem war es ohnehin ein untauglicher Versuch, denn es hatte
mindestens noch ein zweiter Teilnehmer ein Megaphon dabei...
Mit einem dieser Megaphone begann dann Sven Skoda (parteifrei, Nordrhein-Westfalen), eine Ansprache zu halten.
Von der Ansprache bekam ich nicht viel mit, denn ich war – ganz
Menschenfreund – gerade damit beschäftigt, dem Fahrer eines
Nahverkehrsbusses zu helfen, sein Fahrzeug rückwärts zu
rangieren und zu wenden. Die fahrplanmäßig vorgesehene
Strecke war ja nun erst einmal dicht, und niemand konnte sagen,
für wie lange. Das sind eben die Nebenwirkungen einer
Demonstration, und wenn man vermeiden kann, daß unschuldige
Passagiere darunter leiden, versucht man halt, ihnen beziehungsweise
ihrem Fahrer zu helfen.
Als das soweit erledigt war, war bereits der zweite Redner am Mikrophon, Andreas Molau (NPD, Niedersachsen).
Nachdem er fertig war, ergriff ich das Wort.
Ausgerechnet meine Rede versuchte die Polizei akustisch zu stören.
Allerdings erwies sich, daß die Lautsprecheranlage ihres
Streifenwagens weniger leistungsfähig war als unser Megaphon.
(Jetzt ist mir auch klar, warum ein Polizist uns das Megaphon zu klauen
versucht hatte. Einfach Neid auf überlegene Technik!) Was uns die
Ordnungshüter sagen wollte, konnte ich nicht verstehen. Erst als
ich meine Rede beendet hatte und als neugieriger Mensch mal in ihre
Richtung schlenderte, waren sie besser zu verstehen. Da gab es
nämlich einen beamteten Mützenträger, der mir
erzählte, diese Demonstration sei aufgelöst. Übrigens
schien er mich irrtümlicherweise auch für ihren Leiter zu
halten, weil er mir eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das
Versammlungsgesetz androhte. Ich drohte ihm daraufhin eine Anzeige
wegen falscher Anschuldigung an. Auch eine Belehrung, daß eine
solche Auflösung rechtswidrig sei, konnte ich mir nicht
verkneifen. Ob er sie begriffen hat, ist mir unbekannt, weil er einen
mental belasteten Eindruck machte. Und solche Leute sind Träger
von Hoheitsrechten? Kein Wunder, daß es mit der BRD ständig
bergab geht!
Während wir uns noch in unfreundlichem Ton austauschten, zog die
angeblich von mir geleitete Demonstration einfach weiter. Wenn ich
wirklich der Leiter gewesen wäre, hätte ich das von den
Demonstranten unfreundlich gefunden. Unter diesen Umständen war es
mir nicht unlieb, denn es beendete die fruchtlos werdende Diskussion
mit dem mental belasteten Beamten und dem ihm inzwischen zur Seite
getretenen Oberbürgermeister. (Warum eine so kleine Stadt wie
Lüneburg überhaupt einen OBERbürgermeister hat, ist mir
schleierhaft. Vielleicht, weil der Mann auch mental belastet ist und
damit sein Ego aufpolieren muß? Ich als Weltstädter denke,
daß Orte wie Lüneburg sich mit einem einfachen
Bürgermeister bescheiden sollten; vielleicht reicht sogar ein
simpler Ortsvorsteher.)
Die Karawane zog also weiter, während zwar keine Hunde bellten,
dafür aber ein Polizist und ein Bürgermeister, pardon, ein
Oberbürgermeister schimpften. Wenn ich das richtig verstehe, war
dieser Oberbürgermeister sogar der selbe, der neun Jahre vorher
einem Kameraden das Megaphon zu entreißen versucht hatte.
Nebenbei überlege ich mir, ihn wegen Beleidigung anzuzeigen, weil
er mich aufforderte, ich sollte „meine Bande nehmen und aus
seiner Stadt verschwinden“. Erstens ist es nicht seine Stadt, um
mal ein wenig genauer zu bleiben, und zweitens sind meine Kameraden
keine Banditen, um das auch mal klarzustellen. Verhinderte Banditen
sind für mich eher Leute, die sich gewaltsam und rechtswidriger
fremder Megaphone zu bemächtigen versuchen....
Die Demonstration machte den Teilnehmern zunehmend Spaß.
Möglicherweise lag es daran, daß keine Auflagen erlassen
worden waren und man daher auch von Sprechchören Gebrauch machen
konnte, die sonst in kleinlicher Schikaneabsicht von den Behörden
untersagt werden. Auch der direkte Kontakt mit der Bevölkerung
ohne einen lästigen Kordon schwerbewaffneter und roboterhaft
gepanzerter Polizisten war erfrischend. Neben viel Zustimmung gab es
auch die üblichen zwei oder drei verhärmten Gestalten, die
uns anpöbelten. Da sie auf eine Demonstration nicht vorbereitet
waren, entfielen diesmal dümmliche Transparente und
Trillerpfeifen. Nur einer hatte es geschafft, ein paar rohe Eier
aufzutreiben; vielleicht kam er gerade vom Einkaufen. Nachdem er ein
paar davon in unsere Richtung geworfen hatte, lief ein
nordrhein-westfälischer Kamerad auf den Störer zu, um ihn
dingfest zu machen. Der Störer flüchtete, wobei er zur
Erheiterung aller Zuschauer zuerst seine Aktentasche, dann seine Schuhe
und letztlich sogar seine Hose verlor. Wie er es geschafft hat, im
Laufen die Hose zu verlieren und trotzdem noch schneller zu sein als
unser nordrhein-westfälischer Kamerad, ist mir völlig
unverständlich. Nachdem er allerdings seiner Hose ledig war und
nur noch Boxershorts trug, war er sportlich eindeutig im Vorteil. Er
entkam.
Ein anderer beinahe sportlicher Wettkampf umbrannte darum, wessen Zahl
schneller anwuchs. Die Staatsmacht schaffte es, sich zu verdoppeln; zu
dem Zeitpunkt waren acht Uniformierte zu zählen. Allerdings
bekamen auch wir Zuzug. Die Mitfahrer von zwei Reisebussen aus Bremen,
Hamburg und dem nordwestlichen Niedersachsen stießen zu uns. Von
der absoluten Zahl her lagen wir damit eindeutig in Führung, weil
es mehr als hundert Menschen waren; von der relativen Zahl her
schafften wir allerdings keine Verdoppelung.
Vorbei ging es an einem gut besuchten Wochenmarkt, was uns bei
angemeldeten Demonstrationen lustigerweise wegen angeblicher
Sicherheitsprobleme dauernd verwehrt wird. Hier bemerkten wir keine
Sicherheitsprobleme. Vielleicht lag es daran, daß die
Lüneburger Linken keine Zeit gehabt hatten, sich zu formieren.
Oder sie lagen gegen halb elf oder kurz vor elf noch bekifft in den
Betten. Wie war das mit dem alten Sprichwort? Früher Vogel
fängt den Wurm?
Irgendwann stieß dann auch ein Lautsprecherwagen zu uns.
Erstaunlich, was sich so alles ansammelt, wenn man lange genug in einer
Stadt ist... Der Wagen war wohl auf der gleichen Strecke wie wir in
Richtung Ludwigslust und Schwerin gefahren. Und weil man ihn dort nicht
einsetzen durfte, fand er dann in Lüneburg Verwendung.
Mit dem Wagen war auch Thomas Wulff (NPD, Mecklenburg-Vorpommern)
gekommen, der es sich nehmen ließ, auch noch eine Rede zu halten.
Dann waren wir an einem Parkplatz angelangt, wo die Reisebusse standen.
Oder zumindest die meisten davon; zwei Busbesatzungen hatten den
Kontakt zu ihren Fahrzeugen verloren, weil sie versäumt hatten,
sich die Telefonnummern der Fahrer zu notieren. Die Fahrer dieser
beiden erst mal nicht verfügbaren Fahrzeuge hatten insofern
Glück, daß es ihnen entging, von dem Bürgermeister
angepöbelt zu werden. Unsere Fahrer pöbelte er nämlich
an, vielleicht in der Annahme, damit bei zivilen Busfahrern mehr
Eindruck zu schinden als bei rechten Demonstranten. Die Annahme ging
fehl – die Fahrer ignorierten ihn einfach. Wahrscheinlich ist das
die beste Idee, mit mental belasteten und aus der Fassung geratenen
Amtspersonen umzugehen. Ich sollte mir daran ein Beispiel nehmen. Ich
neige in solchen Fällen eher dazu, zurückzupöbeln. Naja,
in ein bis zwei Jahrzehnten bin ich vielleicht weise genug, um auch von
dieser eher überlegenen Geisteshaltung Gebrauch zu machen.
Auch während die Veranstaltungsteilnehmer zum Abschluß das
Lied der Deutschen sangen, versuchte der Bürgermeister noch einmal
mit Hilfe einer polizeieigenen Lautsprecheransage seinen Unmut
kundzutun. Wie in den vorherigen Fällen konnte er sich gegen den
akustischen Hintergrund nicht wirklich durchsetzen. Vielleicht empfehle
ich ihm gelegentlich einen kompetenten Beschallungstechniker, damit er
in akustischer Hinsicht aufrüsten kann. Bestimmungsmacht durch
überlegene Technik! – Wenn ich mir allerdings überlege,
daß dieser spezielle Bürgermeister vielleicht mehr dazu
neigt, Bestimmungsmacht zu mißbrauchen, gebe ich ihm diese
Empfehlung vielleicht lieber doch nicht...
Nach diesem aus unserer Sicht ausgesprochen erfreulichen Ablauf verließen wir das gastliche Lüneburg.
Gerüchteweise war später zu hören, daß die
Insassen eines anderen Reisebusses frecherweise an der Abreise
gehindert und noch über Stunden hinweg festgehalten wurden.
Wieder andere waren der Meinung, einmal so schön im Schwung mit
dem Demonstrieren, solle man nicht gerade dann aufhören, wenn es
am meisten Spaß macht. Es gab dann wohl auch in Lauenburg noch
eine Demonstration von dreihundert Menschen, von denen mindestens
einige vorher in Lüneburg gewesen waren, die anderen aber
sonstwoher kamen. Und das in fast unmittelbarer Nachbarschaft liegende
mecklenburgische Boizenburg soll gleichfalls noch eine Demonstration
nationaler Kräfte erlebt haben.
Überhaupt gab es an dem Tag eine Menge Demonstrationen. So um 140
Kameradinnen und Kameraden zogen in Berlin durchs Brandenburger Tor,
was die Polizei mangels Kräften nicht verhindern konnte. Sie sah
sich erst nach der Hinzuführung weiterer Kräfte imstande, 13
Personen festzunehmen – warum, ist mir eigentlich völlig
schleierhaft. Ich dachte immer, es sei nur in Rußland oder in
Lateinamerika zulässig, Leute einfach deshalb festzunehmen, weil
sie friedlich demonstrieren.... Hat sich über so was nicht
unlängst erst unsere Angie Merkel gegenüber Wladimir Putin
aufgeregt?
Ein demonstratives Auftreten von 150 bis 200 Kameradinnen und Kameraden
hat es auch in Sachsen-Anhalt gegeben, in einer eher kleinen Ortschaft,
die allerdings gerade Veranstaltungsort des Sachsen-Anhalt-Tages mit
ungefähr 20.000 Teilnehmern waren. Diese Demonstranten hatten
unschlagbar viel Publikum, weshalb sie wohl auch kurzerhand eine
Bühne besetzten und dort ihre Transparente und Fahnen ausrollten,
um das Massenpublikum noch besser zu erreichen.
Zwei kleinere Demonstrationen mit angeblich jeweils 60 bzw. 80
Teilnehmern in Brandenburg wurden von der Polizei schlicht und
wahrscheinlich auch rechtswidrig aufgelöst. Ob es für
höhere Polizeidienstgrade der BRD inzwischen Pflicht ist, einen
Kurs bei der russischen OMON in Moskau zu belegen?
In unserem Bus herrschte auf der Rückreise nach
Nordrhein-Westfalen einhellig die Meinung, daß es in
Lüneburg viel lustiger war, als wenn wir mit
höchstrichterlichem Segen im Industriegebiet von Schwerin-Süd
in einem riesigen Polizeikessel gestanden hätten. Bei soviel
Grün kann man ja allergisch werden! Und wir möchten
natürlich nicht eines Tages mental so belastet sein wie ein
gewisser Polizeibeamter aus Lüneburg oder sein Bürgermeister,
pardon, Oberbürgermeister. Immerhin leben wir in einer
Spaßkultur, und ein Event sollte ja auch Spaß machen. Sonst
ist es kein Event.
Die Medien jedenfalls stellten fest, daß es nach dem Verbot der
Demonstration in Schwerin in mehreren Bundesländern zu
„unangemeldeten Demonstrationen von NPD-Anhängern“
gekommen ist. Immerhin haben die Medien damit bewiesen, daß sie
inzwischen von Demonstrationsrecht mehr verstehen als die meisten
Behörden. Denn früher wurde in solchen Fällen immer von
„unerlaubten“ oder „nicht erlaubten“
Demonstrationen gesprochen. Inzwischen hat man in den Redaktionsstuben
möglicherweise gelernt, daß eine Demonstration nicht der
„Erlaubnis“ bedarf, sondern daß es nur –
meistens! – eine gesetzliche Anmeldepflicht gibt.
Möglicherweies lernt man in den Redaktionsstuben – wenn
nicht bei den Behörden! – eines Tages auch noch, daß
es etliche Gelegenheiten gibt, wo diese gesetzliche Anmeldepflicht
nicht gilt. Immer dann nämlich, wenn es sich um spontane
Demonstrationen handelt. Als notorische Demonstranten sind wir ja
bemüht, etwas zur Bildung unserer Mitbürger beizutragen!
Abschließend sollte noch erwähnt werden, daß es in
Schwerin immerhin einen Demonstrationsversuch gegeben hat, wenngleich
nicht von unserer Seite. Sondern von Seiten der Linken, deren
Gegendemonstration auch verboten war und verboten blieb. Sie wurden
gleich am Bahnhof in Empfang genommen, polizeilich eingekesselt und mit
Anzeigen wegen Verstoß gegen ein Versammlungsverbot bedacht. Ich
sah spätabends im Fernsehen die Bilder des eher kläglichen
Häufleins von vielleicht fünfzig, vielleicht hundert Leuten.
Und das waren nun die, wegen derer die Stadt Schwerin frecherweise
einen „polizeilichen Notstand“ behauptete und damit vom
Oberverwaltungsgericht Greifswald gleichermaßen frecherweise auch
noch recht bekam?! Da hätte sich die Polizei doch eigentlich
lieber freuen sollen, wenn wir in Schwerin hätten demonstrieren
können. Denn jeder linke Krawallmacher, der nach Schwerin gefahren
wäre, hätte bei der Mega-Randale in Rostock gefehlt. Aber
entweder denkt man in hochrangigen Beamtenkreisen nicht weit genug,
oder es ging wieder einmal nur darum, uns in unserer
Meinungsäußerung zu behindern.
Dieser Plan ging daneben. Gerade in einer Zeit, wo Verbote oder
Auflagen gegen linke Veranstaltungen, Postkontrollen,
Schnüffelmaßnahmen wie Geruchsproben und dergleichen in der
Öffentlichkeit zunehmend auf Kritik stoßen, ist schlecht
vermittelbar, mit welcher Begründung man das nationale Lager an
öffentlicher Meinungsäußerung hindern will. Sonst kann
beim nächsten Mal nicht Angie Merkel mit Wladimir Putin schimpfen,
sondern eher umgekehrt!
Kassel / Hamburg, den 3. Juni 2007
Christian Worch
Nachtrag:
Wenn dies ein Beitrag für ein Szene-Fanzine wäre, würde
man nach einem Interview oder einem Bericht noch die obligatorischen
Grüße bringen. Meistens lasse ich das, aber nach so einem
Tag wie dem 2. Juni will ich nicht darauf verzichten. Ich
grüße also (in nicht alphabetischer Reihenfolge):
D.S., bei dessen bloßem Anblick störende Eierwerfer
Aktentaschen, Schuhe und sogar ihre Hosen verlieren; unsere beiden
Busfahrer, die sich sehr kooperativ verhalten haben und völlig
korrekt einem pöbelnden Bürgermeister die kalte Schulter
gezeigt haben; den NPD-Spitzenkandidaten für Niedersachsen,
Andreas Molau, und alle seine Mitfahrer, die man lästigerweise
über mehrere Stunden hinweg festgehalten hat; vielleicht ist das
eine Gelegenheit, im anstehenden Landtagswahlkampf in Lüneburg
noch mal eine Demonstration anzumelden..., Ulrich Eigenfeld
(NPD-Landesvorsitzender von Niedersachsen), den ich unerwarteterweise
auch bei der Demonstration habe mitlaufen sehen; das war mal ein
basisnaher Einsatz, Herr Eigenfeld, ausgezeichnet!, den Polizeibeamten,
der mich hoffentlich anzeigen wird, damit ich einen Grund habe, auch
ihn anzuzeigen; nicht erst seit heute wird „nunmehr Anzeige um
Anzeige und Schriftsatz um Schriftsatz vergolten“, den
Bürgermeister, pardon, Oberbürgermeister von Lüneburg;
wenn wir mal im Lotto gewinnen, schenken wir Ihnen ein gutes Megaphon;
dann brauchen weder Sie noch die Polizei zu versuchen, rechtswidrig
fremder Leute Megaphone an sich reißen zu wollen; und vielleicht
pöbeln Sie entspannter, wenn Sie ein vernünftiges Megaphon
haben; meine Netzmeisterin, die mich dankenswerterweise unterwegs per
SMS mit Presseinfos versorgt hat, und natürlich alle anderen
Mitwirkenden!
Noch immer Kassel/Hamburg, den 3. Juni 2007
Christian Worch
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